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Rudolf Laban: Das choreographische Theater Ort: Norderstedt Verlag: BoD GmbH Jahr: 2004 Autor(en): Evelyn Dörr Autor der Rezension: Uli Wunderlich  ISBN: 3-8334-1606-8 Umfang / Preis: 552 Seiten / EUR 59.90
 Rudolf von Laban (1879-1958) schuf nicht nur die theoretische Grundlage für den deutschen Ausdruckstanz, sondern als Lehrer von Mary Wigmann und Kurt Jooss auch die Basis, auf der die wichtigsten Totentanz-Choreographien des 20. Jahrhunderts entstanden sind. Mit dem Buch von Evelyn Dörr kann man ihn endlich auch als Schöpfer makabrer Eigenkreationen entdecken, denn die Autorin legt ein vollständiges Werkverzeichnis vor, das Angaben zu mehr als 100 Tänzen, Libretti, Filmpantomimen und Drehbüchern enthält. Der Bezug zur Todesthematik ergibt sich dabei nicht nur durch den Titel beziehungsweise die Handlung, sondern auch über die Musik. Laban komponierte anfangs oft selbst und arbeitete dabei mit einem Tonsystem, das ohne Takteinteilung auf rein harmonischen Bezügen basiert. Der Akkord c, e, gis, c symbolisiert bei ihm Leben und c, dis, fis, a, d Tod. Ähnlich gewöhnungsbedürftig sind seine Figuren, etwa Fiur aus dem 1897 konzipierten, erst 1912 in München uraufgeführten Mysterienspiel "Erde". Der Name des Helden geht auf die von Karl Faulmann aus der keltischen Runenschrift rekonstruierten Urlaute "fi" und "ur" zurück, die wiederum Leben und Tod bedeuten. Er verkörpert demnach den Menschen, der nach dem Sündenfall – gemeint ist hier die Entfremdung von der Natur – sterben muss, um wieder aufzuerstehen. Bei Laban geht es zuweilen aber auch konventioneller zu, denn neben tanzenden Seelen und Reisen in die Unterwelt gibt es den personifizierten Tod. Ein gleichnamiges Stück entstand zwischen 1914 und 1918 in Zürich. Im Zentrum steht ein großer, wilder Mann, der Dolche an Lebensmüde verteilt, die ihrerseits nicht Hand an sich legen wollen. Stattdessen trennt er ein Liebespaar und tanzt mit dem Mädchen davon, während sich der Widerstand in der Menge regt. Von besonderem Interesse für Kulturhistoriker ist der "Narrenspiegel", uraufgeführt 1926. Das Werk wurde von der Kritik vielfach als Totentanz bezeichnet und in die Tradition mittelalterlicher Mysterienspiele gestellt. Grund dafür ist weniger die Musik von Franz Liszt als das Personal: Narr (Rudolf Laban), Tod (Hermann Robst), Dirne (Gertrud Loeszer) und Nonne (Dussia Bereska). Der Maestro hielt das Stück, das innerhalb eines Jahres etwa 50 Aufführungen erlebte, für sein bestes. In Berlin wurde er sogar mit goldenem Lorbeer bekränzt. Leider ist gerade dieses Kapitel in Evelyn Dörrs Buch ungeschickt gegliedert, denn man erfährt erst nach 19 Seiten, dass Zahl und Benennung der Figuren schwanken. Dennoch handelt es sich um ein attraktiv gestaltetes Nachschlagewerk für Leser, die nicht zum ersten Mal eine Monographie über Laban in die Hand nehmen. Es gibt keine biographischen Informationen, aber selbst Neulinge werden die den Umständen entsprechend klar formulierten Beschreibungen verstehen. Wünschenswert wären jedoch genauere Angaben zur Musik und ein übersichtliches Quellenverzeichnis zu den einzelnen Stücken, denn Angaben zu Skizzen, Fotos, Handschriften und Zeitungskritiken lassen sich momentan nur aus den Fußnoten zusammenstellen.
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Typ: Buch Land: Deutschland Sprache: Deutsch Klassifikation: Tanzforschung Epochale Zuordnung: Thematischer Schwerpunkt: Tod, Theater, Tanz, Musik
Diese Nachricht wurde redaktionell betreut von Jo Jonas. URL zur Zitation: http://www.theaterforschung.de/rezension.php4?ID=30 Copyright by www.theaterforschung.de
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