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Architektur als räumliche Verkörperung der Gesellschaft


Art: Neugründung
Ort: Köln, Dresden
Kontakt:
Prof. Dr. Herbert Schubert
Fachhochschule Köln
Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften
Mainzer Str. 5
50678 Köln
herbert.schubert(at)fh-koeln.de

Dr. Joachim Fischer
TU Dresden
Institut für Soziologie
01062 Dresden
joachim.fischer(at)tu-dresden.de
Quelle: Zusendung
Datum der Recherche: 26.06.05




Gründung Ad hoc Gruppe (DGS-Kongress ‚Die Natur der Gesellschaft’ Kassel 2006)

Organisatoren: Prof. Dr. Herbert Schubert und Dr. Joachim Fischer
Arbeitsgemeinschaft „Architektursoziologie“
(Kooperation der Sektion Stadt- und Regionalsoziologie und der Sektion Kultursoziologie)

Neben dem ‚Leben‘ (den lebendigen Körpern) und den technischen Artefakten ist die gebaute Umwelt in ausgezeichneter Weise die ‚Natur‘ der Gesellschaft. Die umgewandelte, formierte, expressiv aufgeladene Natur ist - in der Umwandlung von Höhle und Nest in Architektur und kompensierende ‚Landschaft‘, in der Umwandlung von Gestein und Bäumen zum expressiven Verkörperungsmaterial des Sozialen - das, worin die ‚Natur‘ einer Gesellschaft besteht: gesellschaftlich geschöpfte Kultur. Die Architektur einer Gesellschaft in ihrer konkreten Gestalt, in Dimension, Funktion, Formensprache und Materialwahl ist als ‚Körper‘ der Gesellschaft (neben anderen Artefakten) ein Schlüssel zu dieser selbst. Gerade in diesen objektivierten Gestalten erfaßt sich eine Gesellschaft in ihrer ‚Natur‘. Architektur ist die dauerhafte Darstellung gesellschaftlicher Strukturen und Institutionen und räumt dem menschlichen Körper dabei je spezifische Spielräume ein. In ihr verdichtet sich wie in keinem anderen sozio-kulturellen Phänomen die sozial- und kulturwissenschaftlichen ‚Wende‘ zum Raum, zu den Artefakten und zum Körper. Insofern ist das neu erwachte Interesse an einer Soziologie der Architektur sowohl Bündelung als auch Impuls für eine systematische soziologische Auseinandersetzung mit der ‚Natur der Gesellschaft’.
Die Ad hoc Gruppe verfolgt drei Themenfelder: Die Bedeutung der Architektursoziologie für die Stadtsoziologie (1), für die Gesellschaftsanalyse (2) und für die soziologische Theorie (3).
Inwiefern führt die Architektursoziologie, die den Blick auf das materielle Substrat von Siedlungen lenkt, zu einer systematischen Ergänzung oder eventuell Veränderung der etablierten Stadtsoziologie, die sich auf die Stadt als soziales Aggregat beschränkt? (Thema 1) Debatten über die Re-, Neu- und Dekonstruktion des gebauten Raums (einschließlich der Landschaft) sind als Dauerthema der Stadtöffentlichkeiten ein Indiz für den erheblichen Stellenwert der Architektur im Sozialraum jeder Stadt. Architektursoziologie, die die Raumsoziologie in eine Analyse konkreter gebauter Raumordnungen verwandelt, könnte zu einer neuen Soziologie der materialisierten Stadt führen.

Inwiefern ist Architektursoziologie (als konkretisierte Raumsoziologie und veränderte Stadtsoziologie) darüber hinaus ein geeignetes Instrument der Gesellschaftsanalyse? (Thema 2) Wird Architektur als ‚soziale Morphologie‘, als ‚symbolische Form‘ der Vergesellschaftung begriffen, dann fungiert sie als ein ‚schweres Medium’ neben anderen Medien der Vergesellschaftung (Sprache, Schrift, Geld, telematische Medien). Gesellschaftsanalytisch kann fruchtbar gemacht werden, dass Gebautes, städtisches Ensemble, interne Strukturen, Nutzungen sichtbar machen, welche soziale Figurationen, Strukturen, Werte einer Gesellschaft wichtig sind, welche Schichtungen und Systemdifferenzierungen sie (generationenübergreifend) nichtsprachlich und körperräumlich erfahrbar machen und tradieren will, was sie ausschließt: mit welcher Gesellschaft man es zu tun hat. Diese soziale Verkörperungsfunktion von Architektur lässt sich in differenzierter Weise für verschiedene Gesellschaftsformationen zeigen, für die höfische Gesellschaft, für die ‚Disziplinargesellschaft‘, für die Konsumgesellschaft; und sie gilt möglicherweise auch für eine sich als ‚Mediengesellschaft‘ oder ‚Informationsgesellschaft’ begreifende Gegenwart, wie das Beispiel von ground zero in dramatischer Weise zeigt. In allen Gesellschaftsformationen des 20. Jahrhunderts sind Architekturdebatten Schlüsseldiskurse gewesen, nicht zuletzt die über die Grenzen des modernen Bauens in der Moderne als Indiz für ein neues Verhältnis der Moderne zu sich selbst. ‚Empirische Architektursoziologie’ ist - in der konkreten Analyse sozialer Verkörperungen – kultur- und stadtsoziologisch durchgeführte Gesellschaftsanalyse.

Was bringt die Architektur – noch einen Schritt weiter - der soziologischen Theoriebildung? (Thema 3) Inwiefern zwingt oder inspiriert das soziologische ernst genommene Phänomen der Architektur - dieser in der konkreten Gestalt, in Dimension, Funktion, Formensprache und Materialwahl schwere ‚Körper‘ jeder Gesellschaft (bei aller Erleichterung der Bautechnik und mitunter beabsichtigten Transparenz mancher Bauten) – die soziologische Theorie zu einer Revision ihrer Grundkategorien und –annahmen – zunächst der Sozialtheorie (sprach- und medienzentrierte Handlungs- und Interaktionsbegriffe)? Von ihrer heterogenen architektonischen Gestalt aus verschiedenen Epochen wirken nahezu alle Stadtsiedlungen der „modernen Gesellschaft“ ‚unaufräumbar’. Was bedeutet das für die Gesellschaftstheorie mit ihren Grundannahmen der Modernisierung und Rationalisierung?

Die von Bernhard Schäfers angestoßene Bildung einer Ad hoc Gruppe „Architektursoziologie“ auf dem Münchner Soziologenkongress 2004 hat zu lebhaften Aktivitäten jüngerer Soziologen und Soziologinnen (www.architektur-soziologie.de) und zu einer ersten genuin architektursoziologischen Tagung (‚Architektur der Gesellschaft. Architektur der Moderne im Blick soziologischer Theorien’, Dresden 2006) geführt, die von den Sektionen Stadtsoziologie und Kultursoziologie in Zusammenarbeit mit Architekten organisiert wurde. Die Ad hoc Gruppe in Kassel als Veranstaltung der neuen Arbeitsgemeinschaft „Architektursoziologie“ soll vor allem dem wissenschaftlichen Nachwuchs ein Forum bieten.




Land: Deutschland
Sprache: Deutsch
Klassifikation: Sozialwissenschaft
Thematischer Schwerpunkt: Raum, Architektur


Diese Nachricht wurde redaktionell betreut von Thomas Bitterlich.
URL zur Zitation: http://www.theaterforschung.de/mitteilung.php4?ID=274
Copyright by www.theaterforschung.de
Erstellt am: 26.06.2006