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Deutsche Gesellschaft zum Studium des Western e.V.


Zusatz: Western Forschungszentrum und Bibliothek
Rubrik: Einrichtungen
Strasse: Universität Münster, Johannisstraße 12 - 20
PLZ: 48143
Ort: Münster
Land: Deutschland
Email: gasw_ms@yahoo.com
Telefon: 0049 (0)251 83 25 595
Link: www.anglistik.uni-muenster.de/Western/GASW.html
Gegruendet: 1990




Gegründet wurde Deutsche Gesellschaft zum Studium des Western e.V. (GASW) 1990 mit Sitz in Münster. Seit 1993 ist die ist sie Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften in Deutschland e. V. Allgemein widmet sie sich dem "wissenschaftlichen und didaktischen Studium des Western in seinen literarischen Erscheinungsformen und Einflüssen innerhalb und außerhalb der USA".

Ausgangspunkte (Selbstdarstellung):
Der Western ist die älteste eigenständige Gattung der Vereinigten Staaten. Als Roman, Short Story, Drama und Hollywood-Western präsentiert er in ständiger Variation Amerikas Gründungsmythos, indem er die Geburt einer Nation, deren Vergesellschaftung und Identitätsstiftung aus den gewaltsamen Wehen des Konflikts zwischen Zivilisation und Wildnis zwar in einem historisierenden Kontext stattfinden lässt, sich jedoch gleichzeitig implizit oder explizit mit zentralen amerikanischen Ideen und deren Wechselwirkung mit jeweils zeitgenössischen gesellschaftlichen Problemen befasst. Der Western ist demnach Diskussionsforum der amerikanischen Staatsform im Spannungsfeld zwischen Demokratie, Meritokratie, Feudalismus und drohender Anarchie und gleichsam eine in typischen Varianten sich präsentierende Erzählung über die Gründung einer Nation im Westen, die im Begriff ist, sich zu etablieren und zu legitimieren. Der Schauplatz des Western ist an der frontier angesiedelt, dort wo durch die Kollision von Wildnis und Zivilisation, Anarchie und law and order, territorialem Feudalismus und demokratischer Staatsbildung Amerika sich stiftet, seinen Nationalcharakter formt und sein politisches sowie ethisches System einer ständigen Prüfung unterzieht.

Der Western hat mit der sogenannten historischen Wirklichkeit der Eroberung, Besiedlung und Zivilisierung des "Wilden Westens" nur soviel gemein, wie es der literarischen Gattung der romance angemessen ist. Als Mythos ist der Western keine Geschichtsschreibung und auch nicht der Kategorie des historischen Romans zuzuordnen, sondern vielmehr Amerikas ureigene Variante des Abenteuer-, Gesellschafts- und Bildungsromans, welche auf die europäische Tradition der chivalric romance (Ritterromanze) zurückgeht und eine eigenständige historische Entwicklung durchläuft.

Nach dem Vorbild des amerikanischen Western (z. B. Cooper) entstand in Europa ein eigenständiges, jedoch derivatives literarisches Genre - der Amerikaroman und später der europäische Western, welche nationale Eigentümlichkeiten der entsprechenden Herkunftsländer betonen.


Aufgabe der GASW:
Die Gesellschaft betrachtet es als ihre Aufgabe, neben dem amerikanischen Western diese mannigfaltigen Ausprägungen des populären Genres im europäischen Raum mit zu untersuchen, wobei der Gegenstand sowie dessen methodische Ansätze eine interdisziplinäre Forschung erfordern.

Bibliothek der GASW:
Das Zentrum der Gesellschaft, die enge Kontakte unterhält zum Schriftstellerverband Western Writers of America, ist ein Forschungsinstitut mit Bibliothek, welche etwa 5.000 Bände (vorwiegend amerikanische Originaltitel, deutsche Western, Sachbücher, Kunstbände, Forschungsliteratur) sowie eine Sammlung von Tonaufnahmen und circa 400 Westernfilme im Original sowie in synchronisierter Fassung enthält. Die Bibliothek verfügt zudem über Originalbilder des Künstlers Klaus Dill (verstorben 2000). Dill war nicht nur der einflußreichste Filmplaktkünstler Nachkriegsdeutschlands (für sein Lebenswerk wurde er 1997 mit dem Filmband in Gold des Deutschen Filmpreises ausgezeichnet), er schuf zudem den Tecumseh-Gemäldezyklus, der im Zentrum ausgestellt wird. Die Bibliothek und das Forschungszentrum werden auch von auswärtigen Studenten, Forschern und Journalisten genutzt.

Publikationen, Tagungen:
Die Gesellschaft stellt seit 1990 in einem jährlichen Newsletter und in einer wissenschaftlichen Zeitschrift Studies in the Western relevante Aspekte des literarischen und filmischen Western und anderer künstlerischer Ausdrucksformen in deutsch- sowie englischsprachigen Artikeln vor. Ihre wissenschaftlichen Jahrestagungen, an denen neben den deutschen Mitgliedern auch amerikanische Westernautoren sowie -forscher teilnehmen, widmen sich den verschiedenen Ausprägungsformen des Western und einzelnen Autoren, insbesondere noch aktiven wie Elmer Kelton, Larry McMurtry, Loren D. Estleman oder Elmore Leonard. Ferner machen es sich ihre Mitglieder zur Aufgabe, in Form von Vorträgen, Lesungen, Seminaren und Fortbildungsveranstaltungen den Western einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und zu erklären.


Verzeichnisdatum: 08.07.2005



Typ: Fachgesellschaft
Land: Deutschland
Klassifikation: Kulturgeschichte
Epochale Zuordnung: 18. / 19. / 20. / 21. Jahrhundert
Thematischer Schwerpunkt: Western


Diese Nachricht wurde redaktionell betreut von Jens Ilg.
URL zur Zitation: http://www.theaterforschung.de/institution.php4?ID=356
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