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Zuschauer als Voyeur. Potentiale von Lust und Abscheu in BDSM-Performances Rubrik: Projekte: Forschung Email: ekoepping@t-online.de
Das Dissertationsprojekt von Elke Koepping entsteht am Graduiertenkolleg „Körper-Inszenierungen“ (Freie Universität Berlin). Betreut wird es von Frau Prof. Dr. Fischer-Lichte (Institut für Theaterwissenschaft, Frei Universität Berlin).
Abstract:
Das Projekt baut auf der Erarbeitung von Grundstrukturen sadomasochistischer Szenarien (Normen, Codes) aus theaterwissenschaftlicher Sicht auf. Öffentliche oder halböffentliche Performances der BDSM-Subkultur sollen im Hinblick auf Aspekte von Spiel, Ritual und Performativität und mit Rekurs auf gesellschaftliche Machtdiskurse (Foucault, Bataille) untersucht werden. BDSM ist der Oberbegriff für Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadomasochism (Fesseln, Erziehungsspiele, Machtspiele, Sadomasochismus). Den Aspekten Körper-Wahrnehmung, -Inszenierung und Ich-Definition zwischen Imagination und Alltagsrealität wird hier besondere Beachtung zukommen.
Ausgehend davon erfolgt der Versuch, die erarbeiteten Strukturen unter Bezugnahme auf aktuelle Studien zur Performance-Art interpretierend im Hinblick auf außerhalb des subkulturellen Kontextes agierende Performer anzuwenden, die sich explizit auf einen sadomasochistischen Kontext beziehen (Ron Athey, Bob "Supermasochist" Flanagan & Sheree Rose, Bad von She She Pop, XXX von La Fura Dels Baus etc.). Gibt es einen Zusammenhang zwischen Subkultur und Sicht auf die Subkultur oder wird der Verweis auf diese von Mainstream-Performern allein als Klischeebild für Phänomene des gesellschaftlichen Zusammenlebens benutzt? Aufbauend auf Befragung und teilnehmende Beobachtung wird in beiden gesellschaftlichen Rahmungen die Funktion und Wahrnehmung des Zuschauers in Wechselwirkung mit der des Performers zum Untersuchungsgegenstand, insbesondere dort, wo Grenzen zwischen Darstellern und Publikum überschritten werden.
Ein Hauch von Skandal umweht nach wie vor jede öffentliche Zurschaustellung sadomasochistischer Handlungen, wenn diese auch seit einigen Jahren (zumindest in Deutschland) nicht mehr im Sinne des Strafgesetzbuches inkriminiert werden. Ihre Darstellung in Mainstream-Medien geht jedoch selten über das stereotyp wiederholte Klischee von der machtgierigen und skrupellosen Domina, die den streßgeplagten Manager als bösen Schulbuben um ihre Stiefel kriechen läßt, hinaus. Die Popkultur nutzt gern Berichte über abwegige Sexualpraktiken als Vehikel, um ihrem sich selbst produzierenden und potenzierenden Sen-sationsbedürfnis Rechnung zu tragen. Verblüffend zu beobachten ist, dass sich auch das Kulturinstitut 'Theater' diesem Phänomen nicht entzieht: Skandalinszenierungen sind Kassenschlager. Die in den vergangenen Jahren gestiegene Medienpräsenz zum Thema BDSM legt somit nahe, sich wissenschaftlich jenseits der Psychopathologie mit diesem Phänomen zu beschäftigen.
Vita:
M. A. Elke Koepping studierte Theaterwissenschaft und Neuere Deutsche Literatur in Erlangen und Berlin. Ihre Abschlussarbeit war befasst mit dem Festspielhaus Hellerau im Kontext der Festspielideen um die Jahrhundertwende: Theaterreform vor dem Hintergrund einer veränderten Raum- und Zeitwahrnehmung.
Sie war tätig als Regie- und Dramaturgie-Assistentin, Regisseurin, Dramaturgin, Souffleuse, Inspizientin (Erlangen, Göttingen, Kassel, Wien, München, Würzburg). Seit 2002 ist sie als freie Journalistin unterwegs für die Zeitschriften ballet tanz, Tangodanza, Reportango (New York City), La Salida (Frankreich) und für das Lokalfernsehen.
Verzeichnisdatum: 06.12.2004
Typ: Dissertation Thematischer Schwerpunkt: Zuschauer, sadomachistische Szenarien, Performativität
Diese Nachricht wurde redaktionell betreut von Jens Ilg. URL zur Zitation: http://www.theaterforschung.de/institution.php4?ID=205 Copyright by www.theaterforschung.de
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