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Utopie - Literarische Matrix der Lüge? Eine Diskursanalyse fiktionalen und nicht-fiktionalen Möglich- und Machbarkeitsdenkens


Ort: Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien
Verlag: Peter Lang GmbH
Jahr: 2005
Autor(en): Steffen Greschonig
ISBN: 3-631-53815-4
Umfang / Preis: 264 Seiten / EUR 45.50 / SFR 66.00 / PND 29.80




Literarische Utopie verweist auf einen guten, gar idealen Ort (eu-topos), der gleichzeitig als ou-topos der erdichtete (Nicht-)Ort ist und damit als erlogen in einem außermoralischen Sinne gelten kann. Mit den Mitteln der Diskursanalyse Michel Foucaults wird gezeigt, wie Autoren, Diskursgesellschaften und Doktrinen utopisches Möglichkeitsdenken in nicht-literarisches Machbarkeitsdenken wandeln und wie dabei ursprünglich fiktionale Wahrheitsansprüche in ihrer Verknappung zu «diskursiven Lügen» werden. Thomas Morus' Utopia und Francis Bacons Nova Atlantis werden im Hinblick auf ihre funktionale Vereinnahmung durch Sozialismus und Utilitarismus vor dem Hintergrund epistemologischer Umbrüche gelesen. Die Skepsis gegenüber den Utopismen des 19. Jahrhunderts (re-)literarisiert sich mitunter in Arno Schmidts Schwarzen Utopien.

Inhalt:

1 Einleitendes, Problematisierung und Methodologie

    11   1.1 Heranführung

    17   1.2 Matrix als Denkfigur
    17         1.2.1 Die Entwicklung der Netzwerkanalyse
    18         1.2.2 Kultur als Netzwerk - Matrix der Diskurse? (Problem der Naturalisierung)
    20         1.2.3 Exkurs: Die Loge in der Unmarkiertheit des Diskurses - Social Text und Alan Sokal
    22         1.2.4 Matrix als Metapher fur eine Restriktionsanalyse von Diskursen?

    24   1.3 Restriktionsanalyse als Spezifikum der Diskursanalyse
    24         1.3.1 Der »Autor« als diskursives Produkt
    25         1.3.2 Aneignungs- und Zuschreibungsverhaltnisse, Kommentar als textuelle Peripherie
    28         1.3.3 Diskursgesellschaften und Doktrinen
    30         1.3.4 Diskurs und Archiv: Geschichte, Sprache, Wissen, »Mensch« und Macht
    38         1.3.5 Wahrheit der Selbstsetzung - Literatur des Selbst

2 Wahrheit, Lüge, (prä- und anti-)utopische Dispositionen

    41   2.1 Positionierung von Wahrheit und Lüge
    41         2.1.1 Das Wahrsprechen Platons: die »parrhesia« als diskursive Verbannung der Lüge
    45         2.1.2 Augustinus: Das Verbot der Lüge als moralisches Gebot des Menschen
    51         2.1.3 Materialismus und die Diabolik der Lüge
    54         2.1.4 Kant: Die Pflicht zur Wahrhaftigkeit
    56         2.1.5 Nietzsches perspektivische »Wahrheit« und utopische Dialektik

    59   2.2 Diskursive Wurzeln der Utopie
    59         2.2.1 Das erkenntnistheoretische Potential der Politeia
    61         2.2.2 Die Politeia als staatstheoretisches Muster der Utopie
    63         2.2.3 Sakrale Aufladungen: Gottesstaat und Krieg
    67         2.2.4 Die Loge in der Konkretisierung politischer Herrschaft
    70         2.2.5 Eschatologie als sakrale Predisposition des Utopischen - Subversion der Apokalyptik
    74         2.2.6 Mythos und Utopie

3 Literarische Basis- und Ursprungs-(kon-)Texte der Utopie in der Renaissance: Utopia und Nova Atlantis

    80   3.1 Die alternative Ordnung der Utopie im literarischen Diskurs: Thomas Morus' Utopia und die (praxis-)philosophischen Folgen
    80         3.1.1 Utopie und Heterotopie
    90         3.1.2 Der kritische Wirklichkeitsbezug der Utopie: ontologische Positionen
    94         3.1.3 Die Rhetorik utopischer Fiktion: literaturtheoretische Implikationen

  105   3.2 Humanistische Diskurse neuen Wissens und »utopische« Texte
  105         3.2.1 Die Praxis der »Fehlkontextualisierung«: Textappropriation durch Diskursgesellschaften
  110         3.2.2 Theorie der »Fehlkontextualisierung« - Lügenhaftigkeit der Zeichen
  118         3.2.3 Die Fortführung des Empirismus in der Utopie: Francis Bacons Nova Atlantis

4 Rezeptionsbedingte Diskontinuitäten des utopischen Diskurses im 19. Jahrhundert: Sozialismus und Utilitarismus

  131   4.1 Der utopische Pragmatismus sozialer Utopien
  133         4.1.1 Fourier (Saint-Simon und Owen)
  137         4.1.2 Theorie der vier Bewegungen und der allgemeinen Bestimmungen
  139         4.1.3 Dispositive des Utopischen in Fouriers Teleologie

  146   4.2 »Verwissenschaftlichung« des Sozialismus und Verleugnung des utopischen Erbes
  148         4.2.1 Kritik des Idealismus - Kritik des Atheismus: Feuerbach und Marx vs. Berdiajew
  153         4.2.2 Exkurs: Ideologie und Utopie
  162         4.2.3 Engels' Kritik des Fruhsozialismus

  170   4.3 Kritische Reflexionen zu den Utopiebrüchen des 19. Jahrhunderts
  171         4.3.1 Die Wahrheit der anderen - Probleme der Rekontextualisierung
  173         4.3.2 Die Trennung von Utopie und Wissenschaft als Folge einer Trennung von Utopie und Anthropologie
  175         4.3.3 Vertiefung: Struktur des Proletariats vs. Anthropologie des Einzelwesens
  177         4.3.4 Das Utopisieren der »menschlichen« Erkenntnis
  178         4.3.5 Diskursanalytische Kritik eines hermeneutischen Utopieverständnisses
  182         4.3.6 Das Elend des Historizismus

  184   4.4 Bacons Erbe: Vom Labor zur utilitaristischen Weltsicht

  185         4.4.1 Utopie der Empirie: Utilitarismus als (anti-)utopistisches Gegenmodell?

5 Fiktionale (Meta-)Rezeption der Negation - Arno Schmidts »Schwarze Utopien«: Leviathan und Die Gelehrtenrepublik

  201   5.1 Adorno und Horkheimer: Utopische Bildlosigkeit vs. Bilderwelten der (Post-)Moderne

  203   5.2 Die bildhafte Auflösung der utopischen Praxis im emblematischen Erzählen
  205         5.2.1 Leviathan: am Ende des »Totalen Kriegs«
  207         5.2.2 Zerstörtes Eigentum
  208         5.2.3 Verstörende Wissenschaft
  210         5.2.4 Jungstes Gericht der Negativität

  213   5.3 Die Gelehrtenrepublik - mythologisches Spiel mit Wissenschaft
  217         5.3.1 Insel der Wissenschaft (IRAS) vs. Reich der Mythen (Hominidenwelt)
  224         5.3.2 Sklaven: Mensch und Hominid als Eigentum
  225         5.3.3 (Rede-)Recht
  227         5.3.4 Kalter (Trennungs-)Krieg

  228   5.4 Auflösung der Heterotopie im meta-utopischen Spiel

6 Post-utopische Ausprägungen an den Grenzen der Fiktion

  234   6.1 Wahrheit und Lüge(-n) in der neuen Weltordnung: Empire
  237         6.1.1 Autopoietisches und virtuelles Eigentum
  239         6.1.2 Polizei, Kontrolle und (virtuelle) Legitimität
  240         6.1.3 Das Recht der Wiederaneignung von Wissen
  243         6.1.4 Utopie der Arbeit

  244   6.2 (Meta-)Kritik der Kritik

7 Conclusio

Anmerkungen:
Band 90 der Reihe "Regensburger Beiträge zur deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft" Reihe B: Untersuchungen



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Typ: Dissertation
Sprache: Deutsch
Klassifikation: Utopie


Diese Nachricht wurde redaktionell betreut von Jo Jonas.
URL zur Zitation: http://www.theaterforschung.de/annotation.php4?ID=502
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